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Mehr Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und Einfluss für unser Fach!

Prof. Dr. med. Gustavo Baretton aus Dresden und die Mitarbeiter der DGP-Geschäftsstelle in Berlin, Jörg Maas und Beatrix Zeller. Prof. Baretton ist seit 14. Juni 2019 Vorsitzender der DGP. ©bernd-roselieb.com

Ein Interview mit Prof. Dr. med. Gustavo Baretton aus Dresden zum Beginn seiner Amtszeit als DGP-Vorsitzender.

DGP: Was macht aus Ihrer Sicht die DGP aus?
Baretton:
Die DGP ist die wichtigste wissenschaftliche Fachgesellschaft für Pathologie im deutschen Sprachraum. Sie treibt mit ihren wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften, ihren Veranstaltungen, der Mitarbeit an Leitlinien, eigenen und kooperativen Stellungnahmen, der Vernetzung mit anderen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften und auch ihrer Nachwuchs- und Öffentlichkeitsarbeit die Innovation in der Pathologie wesentlich voran und fördert die Modernität des Fachs. Sie dient den forschenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in den Pathologien als Plattform und Katalysator für den wissenschaftlichen Austausch, speziell auch auf dem Gebiet der translationalen Forschung.

DGP: Was wünschen Sie sich zukünftig für unsere Fachgesellschaft?
Baretton:
Ich wünsche mir für und von der Fachgesellschaft, dass Sie bei allen derzeitigen und kommenden Entwicklungen und Innovationen, die Auswirkungen auf unser Fach haben, das Zentrum der Meinungsbildung ist. Durch die Forschungsstärke der Pathologie und die Rolle der Pathologie als Querschnittsfach für nahezu alle klinischen Fächer ist es elementar, dass die Pathologie nicht nur mitredet, sondern auch mitgestaltet.

DGP: Was sind derzeit die größten Herausforderungen in der Pathologie? Und, wie kann die DGP konkret zu deren Lösung beitragen?
Baretton:
Leider hängt unserer Fachrichtung in vielen Köpfen, teilweise sogar bei fachfremden Kolleginnen und Kollegen, immer noch das Image der Obduktionspathologie an, was natürlich in keiner Weise unserer aktuellen Tätigkeit entspricht. Ihre überwiegende Arbeitszeit verbringen Pathologen und Pathologinnen am Mikroskop mit der Analyse von Gewebeproben und immer häufiger auch im molekularpathologischen Labor mit Gewebs-basierten molekularen Untersuchungen. Die wissenschaftliche Pathologie war schon immer an der Translation und Integration moderner Methoden in die Diagnostik beteiligt, beginnend mit der Einführung des Mikroskops durch Rudolf Virchow bis zur Multigenanalyse heute. Die Erkennung von strukturellen Gewebsveränderungen in der Entstehung und Progression von Krankheiten, d.h. die Erforschung der Pathogenese, war und ist eine wissenschaftliche Domäne unseres Fachs. In der Pathologie entsteht so tagtäglich Innovation!
Diese Realität des Arbeitsalltags müssen wir stärker ins öffentliche Licht rücken, um die Sichtbarkeit des Fachs und damit seine Akzeptanz zu stärken. Das ist auch ein sehr wichtiger Punkt für den Erfolg unserer Nachwuchsarbeit. Die DGP muss diesen dringend notwendigen Wandel des öffentlichen Images durch eine kontinuierliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit fördern.

Eine weitere große Herausforderung für unser Fach ist die von großen Pharma-Unternehmen geförderte Tendenz, die molekulare  Diagnostik, die in der Pathologie integrativ morphomolekular erbracht werden sollte, an kommerzielle Anbieter (oft in Übersee) auszulagern. Methodisch, ethisch und auch datenschutzrechtlich sind diese Anbieter mit Vorsicht zu behandeln. Wir Pathologen und Pathologinnen müssen hier öffentlich zeigen, was wir zu leisten in der Lage sind und wie es besser geht! Innovative Techniken und Untersuchungsmethoden müssen von uns (mit)entwickelt, kritisch ausgetestet und kontrolliert in die morphologische Diagnostik eingebunden werden. Neue Methoden müssen vor der Einführung unabhängig, d.h. ohne kommerzielle Interessen, intensiv evaluiert werden – das gelingt am besten in den akademischen Instituten und in Verbünden. Die DGP ist in diesem Zusammenhang wichtig als Plattform für unseren fachlichen Austausch, als Ansprechpartner für die Öffentlichkeit und für medizinische Stellungnahmen, für unsere Lobbyarbeit sowie für die Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften. Hierfür muss die DGP gut aufgestellt sein. Mitte Oktober trifft sich beispielsweise die dafür neu etablierte Taskforce „Innovationstreiber Pathologie“ zum ersten Mal.

DGP: Wie steht es um die wissenschaftliche Pathologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Allgemeinen?
Baretton:
Noch ist die wissenschaftliche Pathologie in Deutschland flächendeckend gut aufgestellt. Sorge bereitet mir allerdings die durch das föderale System bedingte unterschiedliche Finanzierung der universitären Standorte. Universitätspathologien müssen finanziell in der Lage sein, nicht nur zu versorgen, sondern auch zu forschen. Ein Beispiel, wo das gut funktioniert, sind die neuen interdisziplinären Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) an den Universitätskliniken in Baden-Württemberg (Heidelberg, Freiburg, Mannheim, Tübingen und Ulm). Das ZPM-Modell nutzt unter anderem den bereits existierenden Innovationsfonds der Krankenkassen, der Gelder für die translationale Forschung und Etablierung innovativer Methoden bereitstellt. Gerade im Fach Pathologie ist es wichtig, dass Ausgaben für Innovationsleistungen im Budget inkludiert werden. Eine schnelle Reaktion auf neue technische Entwicklungen wie seit vielen Jahren beim Next-Generation-Sequencing (NGS) oder bei den Immuncheckpoint-Inhibitoren ist in der Pathologie unerlässlich.

Auch die zahlenmäßige Abnahme des wissenschaftlichen Nachwuchses in den deutschen Universitätsinstituten ist kein gutes Signal. Dies gilt auch für Österreich und die Schweiz. Die Nachwuchsarbeit ist in unserem Fach existentiell. Die DGP hat daher auch die Aufgabe, hervorragende und ambitionierte Nachwuchswissenschaftler im Fach Pathologie effektiv zu unterstützen. Das tut sie derzeit auch schon durch die Vergabe verschiedener Preise und diverser Reisestipendien, das Junge Forum auf der Jahrestagung sowie durch die alle zwei Jahre stattfindende Nachwuchsakademie. Auch die Aufnahme eines stimmberechtigten Nachwuchsmitgliedes in den DGP-Vorstand war ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Des Weiteren ist die Mitarbeit der DGP bei der Ausgestaltung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NLKM) von hoher Wichtigkeit, damit das Fach Pathologie im Curriculum nicht untergeht. Mein Dank gilt hier besonders Herrn Prof. Ströbel (Göttingen) und Herrn Prof. Brochhausen-Delius (Regensburg), die diesen Prozess für die DGP engagiert begleiten.

Unser aller Aufgabe ist es darüber hinaus, Studenten und Nachwuchswissenschaftler für unser Fach zu begeistern, wo immer wir können!

DGP: Welchen Stellenwert wird aus Ihrer Sicht die Künstliche Intelligenz (KI) zukünftig in der diagnostischen Praxis erhalten? Ist die KI eher eine Bedrohung oder eine Chance für die Pathologie?
Baretton: Die neuen Techniken sind eine große Chance für die Pathologie, gerade in Zeiten knappen Personals und knapper Mittel. Je weiter sie ausreifen, desto mehr werden sie in den Pathologien auch zum Einsatz kommen. Sie werden aber die Pathologinnen und Pathologen nicht ersetzen können.

Wichtig ist auch bei der KI, dass die Entwicklung dieser neuen Techniken für die Pathologie auch von Pathologen und Pathologinnen mitgestaltet oder zumindest begleitet werden wird. Wir kennen unsere Bedürfnisse am besten. Die Arbeitsgemeinschaft für Informatik, Digitale Pathologie und Biobanken der DGP bietet hierfür eine hervorragende und zukunftsorientierte Plattform.

DGP: Lieber Herr Prof. Baretton, vielen Dank für das Gespräch!

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