Studium

Beruf „Pathologin/Pathologe“: Berufsbild, Ausbildung und Karrieremöglichkeiten

Knapp 500 Mediziner lassen sich derzeit in Deutschland nach ihrer ärztlichen Approbation zum Pathologen aus- bzw. weiterbilden. Attraktive Arbeitsfelder warten nach der sechsjährigen Facharztausbildung auf sie. Dort geht es vor allem um eines: durch exakte Diagnosen lebensrettende Therapien zu ermöglichen.

Der folgende Text soll dabei helfen, den Blick von Medizinstudenten und künftigen Studienanfängern für die Pathologie als einem attraktiven Betätigungsfeld zu schärfen. Denn: Guter Pathologen-Nachwuchs wird dringend gesucht.

Junge Mediziner, die sich auf dem Gebiet engagieren und die nötige Facharztausbildung absolvieren möchten, werden in Deutschland kein Problem haben, eine interessante Stelle zu ergattern. Es gibt viele Möglichkeiten - siehe „Arbeitsgebiete von Pathologen“.

Pathologen „in Action“: Lebensretter und gute Kommunikatoren

Über die Pathologie kursieren in den Medien viele bunte Geschichten. Und obwohl es im Netz informative Fach-Seiten zum Berufsbild der Pathologen gibt, bleibt doch bei vielen Abiturienten und Studienanfängern ein falsches (und etwas unattraktives) Bild hängen: 

Klischee Nr. 1: Pathologen beschäftigen sich vor allem mit Leichen.

Die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes pathologia weist schon den Weg. Es bedeutet „die Lehre vom Leiden/von der Krankheit“ – was nichts anderes heißt als: Pathologen beschäftigen sich mit der Entstehung und Entwicklung von Krankheiten – der Pathogenese. Dabei geht es nicht so sehr um Verstorbene, sondern ganz überwiegend um lebende, erkrankte Patienten, denen der Pathologe mit seiner Diagnose zu einer geeigneten Therapie verhelfen kann.

Wer sich als Mediziner auf die Pathologie spezialisiert, untersucht Gewebeproben (Biopsien) oder von Fall zu Fall auch Körperflüssigkeiten (Blut, Urin). In den meisten Fällen handelt es sich aber um die histologische Untersuchung des Gewebes unter dem Mikroskop und mit Hilfe hochauflösender bildgebender Verfahren. Auch hochspezialisierte Methoden wie etwa die molekularpathologische Analyse des DNA-Materials im Gewebe (Molekularpathologie) kommen immer häufiger ergänzend zum Einsatz.

Arbeitsgebiete von Pathologen

Pathologen arbeiten zum Beispiel:

  • an Universitätskliniken
  • in Großkrankenhäusern, die über eine eigene pathologische Abteilung verfügen
  • in Arztpraxen, die sich auf Pathologie spezialisiert haben. Neben dem Status als angestellter Arzt können Pathologen sich auch mit einer eigenen Praxis selbständig machen
  • als Wissenschaftler in Forschungseinrichtungen der Universitäten oder an außeruniversitären Einrichtungen – hier besonders häufig in der Krebsforschung
  • als Forscher für die Pharmaindustrie – hier vor allem als Molekularpathologen, die die Entwicklung neuer Medikamente (siehe auch „Ein Fach, viele Spezialisierungen“) vorantreiben.

Wer sich für die Forschung entscheidet und sich für eine Karriere in der Wissenschaft, gar für eine Laufbahn als Hochschulprofessor, interessiert, sollte nach Möglichkeit versuchen, auch einige Zeit an einer ausländischen Forschungseinrichtung zu verbringen. Das erweitert den Horizont – und hilft beim berufswichtigen „Networking“.

Der Arbeitsalltag

Die Gewebeproben, die Pathologen untersuchen, weisen in der Regel anormale oder bereits als krankhaft identifizierte Veränderungen auf, die zum Beispiel auf Entzündungen, Erregerbefall oder Krebserkrankungen hinweisen. Der Pathologe (siehe auch: Die Pathologie: Dichtung und Wahrheit über die Allrounder in der Medizin) erhält vom behandelnden Facharzt eine Gewebeprobe, die er zunächst in Augenschein nimmt (Makroskopie), um anschließend unter Mitarbeit von Medizinisch-technischen Assistenten (MTAs) Schnitte von bestimmten Arealen des Gewebes anzufertigen und diese unter dem Mikroskop zu untersuchen. 
Mit ihrer detaillierten Diagnose nach der Mikroskopie tragen Pathologen entscheidend dazu bei, zum Beispiel eine Krebserkrankung schnell zu erkennen und/oder bereits erkannte Tumoren näher zu spezifizieren. Ihre Arbeit ist die Grundlage für die Auswahl einer womöglich lebensrettenden Therapie mit den richtigen Medikamenten.

Klischee Nr.2: Pathologen sind bleiche Nerds, die im Keller vor sich hin mikroskopieren.

Die Wahrheit ist: Wer als Pathologe arbeiten will, muss ein sehr guter Kommunikator sein. Zwar sind Pathologen Mediziner ohne regelmäßigen direkten Patientenkontakt. Doch dafür sind sie täglich mit behandelnden Kollegen im Gespräch. Sei es telefonisch, per Mail oder in der persönlichen Besprechung. Was Pathologen beim Blick durch das Mikroskop herausgefunden haben, müssen sie schnellstmöglich und so präzise und unmissverständlich wie möglich ihren Kollegen berichten, damit diese Gewissheit haben, wie ernst die Erkrankung ihres Patienten ist, ob beispielsweise ein Tumor gut- oder bösartig ist, welche Therapieoptionen bestehen und ob weitergehende Untersuchungen nötig sind.

Zum Alltag der Pathologen gehören außerdem sogenannte Tumor-Boards. Das sind tägliche Besprechungen mit etwa einem halben Dutzend behandelnder Kollegen anderer Fachgebiete. Die Pathologen referieren über ihre Biopsie-Befunde und tauschen sich mit den anderen Medizinern über die erkrankten Patienten aus.
 
Zudem arbeiten Pathologen auch bei Operationen den Chirurgen zu: Oft müssen während einer OP sogenannte Schnellschnitte vom Gewebe des zu operierenden Organs angefertigt und analysiert werden. Das muss schnell passieren, denn es geht häufig um Leben oder Tod. 

Die Ausbildung: Pathologen sind Allrounder

Die Ausbildung zum Pathologen ist sehr fordernd. Weil sie bei ihrer Arbeit mit den unterschiedlichsten Gewebe- veränderungen und Krankheiten konfrontiert werden, müssen Mediziner sich während ihrer sechsjährigen Facharztausbildung ein sehr breites Wissen aneignen und sich während Ihres Berufslebens kontinuierlich fortbilden. Im Alltag arbeiten sie interdisziplinär mit Vertretern aller medizinischen Fachgebiete zusammen, müssen sich also überall gut auskennen.

Medizinstudium plus Facharztausbildung: Hohe Anforderungen an den Nachwuchs

Die erste Basis dafür bilden ein herkömmliches, sechs- bis siebenjähriges Studium der Humanmedizin, das Praktische Jahr und die Approbation als Arzt.

Während der Assistenzarztzeit folgt für gewöhnlich die Weiterbildung bzw. Facharztausbildung zum Pathologen – entweder akademisch, an 36 Universitätsstandorten in Deutschland, an einem Großkrankenhaus oder in einer Praxis.

Während der Facharztausbildung müssen die angehenden Pathologen ein großes Pensum in folgenden Wissenschaftsbereichen in Theorie und Praxis bewältigen und ihre Kenntnisse darin in einer abschließenden Prüfung nachweisen:

  • Laborarbeiten
  • Labortechnik
  • Morphologie
  • Histologie
  • Zytologie (Zelllehre)
  • Pathologie
  • Obduktion

Erfahrungen während des Studiums sammeln

Dr. Albrecht Stenzinger, Nachwuchswissenschaftler und Pathologe am Uniklinikum Heidelberg sowie kooptiertes Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP), sagt: „Wer sich für die Pathologie entscheidet, sollte Neugier und auch großes Interesse für das wissenschaftliche Arbeiten mitbringen; außerdem ein Talent dafür, wiederkehrende Muster von Krankheiten unter dem Mikroskop schnell und vor allem richtig zu erkennen.“

Weil das Fach Pathologie im Curriculum der reformierten Medizinstudiengänge an einigen Standorten in Deutschland nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, rät Stenzinger dazu, eines der im Studium vorgeschriebenen Praktika (Famulaturen) in der Pathologie zu absolvieren. So sei damals seine eigene Begeisterung für das Fach geweckt worden.

Ein Fach – viele Spezialisierungen

Innerhalb der Pathologie sind Spezialisierungen auf bestimmte Regionen des Körpers möglich und ratsam: etwa Gynäkopathologie, Dermatopathologie, Pneumopathololgie (Lungenpathologie) etc. Die Liste der verschiedenen Arbeitsgemeinschaften in der DGP gibt einen Überblick.

Albrecht Stenzinger etwa hat sich auf Lungenpathologie und gastrointestinale (Magen-Darm-Trakt-) Pathologie spezialisiert und forscht auch auf diesem Gebiet in einer Arbeitsgruppe des Uniklinikums. Interessant und spannend für eine Spezialisierung ist auch das noch verhältnismäßig neue Fachgebiet der Molekularpathologie. Hier wird nicht nur das Erscheinungsbild der Gewebeproben genauer analysiert, sondern die Mediziner gehen noch einen Schritt weiter in die Tiefe und untersuchen das Gen-Material des Gewebes. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu einer personalisierten Medizin, denn die DNA-Befunde verraten noch deutlich mehr Details, etwa über die genaue Beschaffenheit eines Tumors, und ermöglichen eine passgenauere Therapie.

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