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Positive Tagungsbilanz: Lebhaftes Interesse an den Schwerpunkten Immunsystem und Metastasierung

Wie lassen sich neue Verfahren der Tumordiagnostik weiter optimieren? Und was bedeutet dies für eine Weiterentwicklung der personalisierten Krebsmedizin? In zahlreichen Foren, Symposien und Workshops diskutierten Mediziner und Medizinerinnen mit Technischen Assistentinnen und Assistenten gemeinsam die Themen Metastasierung und Immunsystem. 923 Teilnehmende und 57 Aussteller – mehr als je zuvor – kamen in diesem Jahr nach Frankfurt ins Kongresszentrum Kap Europa zur 99. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP).

Das Konzept einer gemeinsamen Tagung der DGP mit der Deutschen Gesellschaft für Zytologie e.V., in Kooperation mit den Bamberger Morphologietagen, dem Verband Deutscher Zytologisch Tätiger Assistenten (VDCA) und der Internationalen Akademie für Pathologie (IAP) hat sich als großer Erfolg erwiesen. „Der Dialog auf Augenhöhe mit Vertretern anderer medizinischer Fächer einerseits und mit den Medizinisch Technischen Assistentinnen und Assistenten (MTA) andererseits ist fester Bestandteil des Pathologen-Arbeitsalltags“, sagte der diesjährige Tagungspräsident Prof. Dr. Martin-Leo Hansmann, Direktor des Instituts für Pathologie der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Dieser Alltag spiegelte sich somit auf der viertägigen Konferenz vom 28. bis 31. Mai 2015 in zahlreichen Foren, Symposien, Kursen und Workshops wider. So hatten etwa die MTA Gelegenheit im histologischen und molekularbiologischen Labor Workshops und Intensivkurse zu verschiedenen Analysetechniken zu besuchen.

„Speziell im Bereich der Molekularpathologie haben sich die Methoden der Analyse und Diagnostik in den zurückliegenden Jahren rasant weiterentwickelt. Auch aus diesem Grund ist es wichtig und sinnvoll, den Technischen Assistentinnen und Assistenten im Rahmen der Konferenz Fortbildungsmöglichkeiten anzubieten. Und diese wurden auch mit großem Interesse wahrgenommen“, sagte der DGP-Vorsitzende Prof. Dr. Peter Schirmacher.

Erstmals auch Studierende unter den Teilnehmenden

Ein Novum in diesem Jahr war die noch stärkere Öffnung für den Pathologen-Nachwuchs: Neben den bewährten Foren für junge Pathologinnen und Pathologen in Klinik und Forschung erhielten erstmals auch interessierte Medizinstudierende gegen Vorlage ihres Studierendenausweises Zugang zu den Tagungsveranstaltungen. Diese Gelegenheit wurde genutzt – die Jahrestagung verzeichnete gut zehn Prozent studentische Teilnehmende. Etwa ebenso hoch war der Anteil der MTA an der Gesamtteilnehmerzahl. Die größte Gruppe stellten erneut die Ärztinnen und Ärzte mit 34 Prozent.

Im Zentrum der Veranstaltungen aus allen Arbeitsgemeinschaften der DGP standen Vorträge und Diskussionen rund um die Themen Metastasierung und Immunsystem. Wichtige Fragestellungen waren: Wie lassen sich neue Verfahren der Tumordiagnostik weiter optimieren? Und was bedeutet dies für eine Weiterentwicklung der personalisierten Krebsmedizin? Neben den zahlreichen vortragenden DGP-Mitgliedern standen auch in diesem Jahr wieder renommierte Keynote Speaker auf dem Programm: Prof. Dr. Klaus Rajewsky (Max-Delbrück-Zentrum, Berlin), Prof. Dr. Reinhold Förster (Medizinische Hochschule Hannover), Prof. Dr. Ernst Stelzer (Goethe-Universität Frankfurt), Prof. Dr. Ralf Küppers (Universität Duisburg-Essen) und  Prof. Dr. Roman Thomas (Universität Köln).

Im Mittelpunkt: Die personalisierte Medizin

Ihre wie auch die Vorträge der Pathologinnen und Pathologen boten Anlass für lebhafte Diskussionen, etwa über die Voraussetzungen für die Entstehung von Metastasen und neue therapeutische Möglichkeiten auf  Grundlage morphologische und immunhistochemische Analysen, einschließlich molekularer Verfahren wie der Mutationsanalyse.

So hielt etwa Prof. Dr. Wilko Weichert (Universitätsklinikum Heidelberg) – Spezialgebiet: Translationale Tumorforschung, prädiktive Pathologie und Biomarkervalidierung – einen Überblicksvortrag zu dem Thema “Der individuelle Patient: Patienten-Exomsequenzierung in der molekularen Pathologie”.

Ebenfalls auf großes Interesse stießen Vorträge über Erfahrungen mit den Ringversuchen in der Next Generation Sequenzierung (NGS) oder der Überblicksvortrag von Prof. Dr. Ulrich Lehmann (Medizinische Hochschule Hannover) über „Epigenetik in der Pathologie  und der molekularen Diagnostik“ sowie die Präsentation von Prof. Dr. Thomas Kirchner (Ludwig-Maximilians-Universität München) zur Reklassifizierung der Ovarialtumoren anhand der molekularen Daten – um nur einige wenige unter vielen hervorragenden Vorträgen und Präsentationen zu nennen.

Angeregte Atmosphäre mit kontroversen Diskussionen

Alle Beiträge bildeten die aktuell relevanten Themen in ihren Neuerungen ab. So wurden Arbeiten zur Klassifikation von Frühkarzinomen ebenso vorgestellt wie zur Therapieprädiktion fortgeschrittener Malignome. Beispielsweise beschäftigten sich die Beiträge aus dem Bereich Leber/Pankreas mit neuen Daten zur Heterogenität des hepatozellulären Karzinoms bis hin zu embryologischen Fehlsteuerungen bei der seltenen Erkrankung der Gallengangs-Atresie. Im Bereich des unteren Magen-Darm-Traktes stachen ausgezeichnete Beiträge zum Immunscore bei kolorektalen Karzinomen und mikrobiotische Analysen zur Pouchitis hervor.

Als spannend wurde der Überblicksvortrag des britischen Kollegen Prof. Dr. Neil Shepherd (Cheltenham General Hospital) zur Bedeutung der Becherzellen bei der Diagnostik der Barrettschleimhaut empfunden. Er stellte „the british view“ dar, der von Auffassung der DGP diametral abweicht. Denn während in Großbritannien der Erst-Diagnose des Endoskopisten keine weitere Absicherung durch einen Pathologen folgt, ist dies in Deutschland zwingend erforderlich. Noch im Nachgang des Vortrags fanden lebhafte Diskussionen statt.

Interessante Beiträge der Keynote Speaker

Auch die Keynote Speaker trugen Aufschlussreiches zum Jahrestagungsthema bei: So referierte etwa Prof. Dr. Ernst Stelzer über innovative Weiterentwicklungen bildgebender Verfahren mit der Lichtscheibenmikroskopie, die er den Tagungsteilnehmern vorstellte. Prof. Dr. Roman Thomas wiederum gilt als wichtiger Forscher im Bereich der sogenannten Next Generation Sequenzierung (NGS).

Diagnostik, Therapie und Immunsystem sind eng miteinander verknüpft. Hier gilt ein anderer Keynote Speaker, Prof. Dr. Klaus Rajewsky, international als einer der wichtigsten Experten, dessen Grundlagen-Forschungsarbeit sich unter anderem mit der Entwicklung der sogenannten B-Zellen beschäftigt. Diese bilden die für den Menschen überlebenswichtigen Antikörper. Rajewsky untersucht, welche Mechanismen in diesem Zellen im Einzelnen wirken, um besonders effektive Antikörper zu entwickeln.

Mit dem Hodgkin-Lymphom beschäftigt sich Prof. Dr. Ralf Küppers. Der Immunologe erforscht Strategien zur Bekämpfung dieses ebenso gefährlichen wie flexiblen Lymphoms, das sich perfekt „tarnt“ und so dem „Radar“ des menschlichen Immunsystems entgeht. Prof. Dr. Reinhold Förster wiederum konzentriert sich in seiner Forschungsarbeit auf die Bewegung und Entwicklung von sogenannten T-Zellen, die ‒ als eine Art Immunsystemwachschutz ‒ mit großer Geschwindigkeit durch den menschlichen Organismus patrouillieren und nach schädlichen Zellen suchen.

Ausblick auf die Jahrestagung 2016

Im kommenden Jahr veranstaltet die DGP ihre 100. Jahrestagung in Berlin. Schwerpunktthemen werden sein: Uropathologie und innovative Technologien in der Pathologie. Letztere haben sich in den zurückliegenden Jahren rasant entwickelt; somit wird es in den Veranstaltungen der Konferenz unter anderem um die Möglichkeiten hochauflösender Mikroskopie, über die Zusammenarbeit von Radiologie und Pathologie und molekulargenetische Diagnostik gehen. Darüber hinaus wird es im kommenden Jahr ein Überthema geben: Frauen in der Pathologie. Auch weil der DGP die Karriere-Förderung von Frauen am Herzen liegt, bietet das runde Jubiläum einen willkommenen Anlass, die Geschichte der Frauen in der Pathologie in den Mittelpunkt zu rücken. 

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102. Jahrestagung der DGP 2018

Vom 24. bis 26. Mai 2018 in Berlin

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(Deadline: 4. Dezember 2017)

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